Kultur- und Geschichtsverein
Frickhofen e. V.

Der umfangreichste Abschnitt des 1950 erschienenen Bandes "1000 Jahre Frickhöfer Geschichte" befasst sich mit der Chronik Frickhofens. Ausgehend von den damals verfügbaren Informationen versucht Heribert Heep hier einen Überblick über 1.000 Jahre Frickhöfer Geschichte zu geben.

Den Text dieser Chronik finden Sie hier.

Heribert Heep: Tausend Jahre Frickhöfer Geschichte; Limburg 1950

"FRICKHÖFER CHRONIK"

Die folgende chronikartige Übersicht erhebt keinen Anspruch auf lückenlose Vollständigkeit. Sie soll einen Überblick geben von der äußeren Entwicklung Frickhofens im Wandel der Jahrhunderte. Die knapp bemessene Zeit hindert mich, längere Zeit ununterbrochen in die Materie der Frickhöfer Vergangenheit einzudringen und umfangreiche archivalische Studien zu tätigen. Ich habe mich deshalb auf alte Bücher, Urkunden, Zeitschriften und insbesondere auf die Chronik der hiesigen Volksschule gestützt. Nachrichten über Geschehnisse in unserer Gemeinde vor dem Jahre 1000 fehlen ganz. Welcher prähistorische Volksstamm unsere Umgegend bewohnt hat, ist mir nicht bekannt. Es dürfte auch schwerlich festzustellen sein. Vor vielen tausend Jahren waren auf dem Westerwald Vulkane tätig. Zeugen dieser Vorgänge sind die Basaltsteinbrüche. Das Leben wird sich hier vollzogen haben wie in den Tropen. Unser Lahntal wird sich wohl nach der Eiszeit gebildet haben. Die Geschichte kennt keinen Aufenthalt, nur Auf- und Niedergang. Die meisten Kriege sind schuld an der stockenden Entwicklung unserer Gemeinden.

Aus der Geschichte Frickhofens ist uns bis zum Jahre 1000 nichts wirklich Positives bekannt. Nur allgemeine Überlieferungen, die den ganzen Kreis und darüber hinaus den gesamten Westerwald betreffen, sind in Geschichtsbüchern anzutreffen. So schrieben z. B. die Römer: "Wir fanden auf unseren Zügen auf dem Westerwald Urwald und unwegsames Gelände." Sie fanden keine Bauten, wie sie sie aus Rom her kannten, keine so prächtigen Rüstungen und befestigten Straßen. Was die Römer uns brachten und bis auf unsere Tage erhalten geblieben ist, ist der Christusglaube. Bereits in dieser Zeit fand dieser Glaube in unserer Gegend Anhänger. Als ältestes Datum Frickhöfer Geschichte können wir getrost das Jahr

1000

annehmen. Nach der Überlieferung soll die St. Blasiuskapelle neben der Lubentiuskapelle in Dietkirchen und der Marienstatter Kirche die einzige Kirche auf dem Westerwald gewesen sein. Damals wird sie einfach, schmucklos und klein, ein Holzkirchlein auf hohem Felsen gewesen sein, bis sie der nagende Zahn der Zeit baufällig gemacht haben wird, so daß sie einem Steinbau weichen mußte.

Bereits im Jahre

1059

erwähnt Browerus die Blasiuskirche als Pfarrkirche des Kirchspiels Cleseberg. Andere Schriftsteller bezeichnen sie als eine der ältesten Kirchen Deutschlands. Die kirchliche Betreuung erfolgte vom Stifte Dietkirchen aus. (841 Dietkirchens Urkunde.) Dietkirchen hatte das Archidiakonat über sämtliche rechtsrheinischen Gebiete des Erzbistums Trier. Das Kirchspiel Cleseberg war also eine der 28 Pfarreien des Kapitels Dietkirchen. (Pfaffenweg)

1146

soll Bernhard von Clairvaux aus dem Taufstein auf dem Blasiusberge getauft haben, als er zum II. Kreuzzug aufrief. Nach Pfr. Schardt befindet sich ein Abbild dieses Taufsteins in einem Kölner Museum.

Um

1163

wird die "alte Burg" auf der Domburg bei Frickhofen genannt. (CDV.)

Im Jahre

1190

soll der Ortsname "VREDEKOVIN" entstanden sein.

1230

wird Frickhofen neben einem verschwundenen Orte "Valehin" zum 1. Male genannt. (Ann. d. Ver. Nass. Alt. III a 89.) Hier hatten die von Sottenbach einen 1449 an die von Ottenstein gekommenen Hof, und die von Mudersbach hatten den Klehhof als Eppsteiner Lehen. Auch die von Schönborn waren 1461 und das Kloster Marienstatt 1555 hier ansässig. (CDV.) Ferner hatten die Herren von Irmtraut, Yrmterode und Ernstraut in Frickhofen Besitz. Die von Schönborn hatten von Nassau, als Hadamarer Burglehen, Frucht- und Geldgefälle in Frickhofen (Quelle ubk.).

Im Jahre

1231

wurde "Bleseberg" bei Frickhofen zum 1. Male in Urkunden gefunden. (I/6 J. v. A.) Als Beweis seiner Zuneigung schenkte Heinrich II. oder der Reiche dem Deutschen Orden die Kirche zu Bieseberg (die alte St. Blasiuskirche oder in der gemeinen Sprache Clöskirche bei Frickhofen im Hadamarischen). (IVA.)

Der Deutsche Orden soll auf dem Hellersberg eine Burg besessen haben. Otto von Nassau-Hadamar, ein Sohn Heinrich II. erhielt bei der Erbteilung am

17.12.1255

u. a; die Herrschaft Ellar, d. h. die vier Zehnten: Lahr, Elsoff, Bleseberg oder Cleseberg und Zutzheim in Gemeinschaft mit der Grafschaft Diez.

1272

soll ungefähr die Sage um die Dornburg entstanden sein.

1276

gebrauchte Perner Walther die Blasiuskirche.

1287

entstand der Ortsname "Vridekob(p)e".

Im Jahre

1287

maßten sich Graf Otto und sein Sohn widerrechtlich die Zehnten in den Kirchenspielen Bleseberg und Zutzheim an, obwohl im Jahre 1231 der Vater Ottos das Patronatsrecht an den Deutschen Orden abgetreten hatte. Als Kirchenräuber sollten sie mit dem Bann und das Land mit dem Interdikt belegt werden. Der Prozeß war bereits eingeleitet, als ein "nobiles vir Hartardus de Merenberg" als Schiedsrichter erscheint, der den Prozeß beilegt. In einem Kompromiß wurde dahingehend entschieden, daß die Zehnten zu Bleseberg ("Vridekobe - Frickhofen") und Zutzheim dem Deutschen Orden verbleiben sollten. (Friedhofen = Ort, an dem die Begräbnisstätte für die ganze Umgebung war.)

Die Söhne, Ottos teilten sich

1303

das väterliche Erbe. Emich I. erhielt u. a. das Gericht Ellar, soviel davon Nassauisch war. (JvA 1/91.)

Ein Hof zu "Frikobin" wird

1327

als montabaurisches Burglehn genannt.

Der älteste Sohn Ottos I. folgte

1334

in dessen Regierung. Er entledigte sich des Dietz'schen Besitzes an dem Gericht Ellar. Johann wurde nach dem Tode seines Bruders Emich der einzige Besitzer der väterlichen Länder. (I/100 & 101 JvA).

Im Jahre

1337

erwarb Graf Johann mit seiner Gemahlin Elisabeth von den Diezer Grafen Burg und Tal Ellar, mit dem Zehnten von Lahr, Elsoff, Bleseberg, Frickhofen, und Zeutzheim. Nach einer Urkunde hat Johann für 1400 Mark am Freitag nach Maria Verkündigung 1337 den Diezer Anteil erworben. (749 S CDV.)

1363

Graf Emich, ein Sohn Johannes, wird als schwach und blödsinnig bezeichnet. Emich war unfähig, die Regierungsgeschäfte zu führen. (JvA I/106.) Es folgte der Hadamarer Success-Streit im Jahre

1364

Das Gericht Hadamar wird in diesen Verhandlungen nicht genannt. Die Gründe sind nicht bekannt. (I/1177 JvA.)

1408

Der Erzbischof Johann zu Mainz entschied in diesem Jahre zu Bacharach, daß die Hälfte des Schlosses Ellar und ein Drittel der dazugehörigen Gerichte, Dörfer und Leute, so lange an Nassau abgetreten werden sollten, bis in Gemäßheit der vorigen Verträge die Teilung des Schlosses und des Kirchspiels Driedorf würde geschehen sein. Die beiden Grafen Johann teilten auch hiernach Ellar, oder vielmehr den damaligen Diez'schen Teil an Ellar, und errichteten einen Burgfrieden für das dasige Schloß.

Graf Johann zu Nassau-Dillenburg erhielt noch durch den Abgang der Hadamarischen Linie (Emich) einen Teil des Gerichts Ellar, darunter die vier Zehnten oder Kirchspiele: Lahr, Frickhofen, Elsoff und Zutzheim. (Das geschah nach dem Had. Succ.-Streit.) (JvA.)

1408

besaßen die Adeligen "Bücher von Westerburg" in Frikobin einen Hof.

1447

war in Frickhofen Peter von Staffel Pastor.

1465

taucht in alten Urkunden der Ort "Germbach" auf (H. Grimm) - Germbacher Feld - Germbacher Quelle. -

Graf Johann V. der Jüngere, Sohn Johanns IV., erhielt nach dem Tode des Vaters im Jahre

1475

die deutschen Erbstaaten. Darunter 1/3 der Herrschaften Ellar und Hadamar, wovon Katzenelnbogen die übrigen 2/3 aus der Hadamarer Erbschaft her besaß. (JvA.)

Durch den Tod des Grafen Philipp des Älteren fiel

1497

der Katzenelnbogensche Teil der Herrschaft Ellar an das Haus Hessen. (Joh. V. von Nassau.) (JvA.)

Um das Jahr

1500

entbrannte der Katzenelnbogensche Erbfolgestreit, der sich bis in das Jahr 1557 hineinziehen sollte.

In Frickhofen wurde bereits

1530

und davor Lesen und Schreiben in der Landessprache gelehrt.

1535

Ansätze der Reformation in Hadamar und Umgebung, Erlaß einer Kirchenordnung für einheitliche Form in der Ausübung des neuen Glaubens. Um das Volk nicht abzustoßen, werden die kirchlichen Zeremonien denen der kath. Kirche angepaßt. Halbjährlich fanden in Siegen Aussprachen zwecks Verbesserungen der kirchlichen Verhältnisse statt. (Synode.)

Wilhelm der Reiche trennt sich vom alten Glauben und versucht mit Zwang die neue Lehre einzuführen.

1555

Magister Bernhard Bernhardi ist Superintendant des Landes. Die hl. Messe ist abgeschafft. (Abendmahl - beide Gestalten.) Die Prediger tragen noch das Meßgewand. Zum Teil wurde lateinisch gelesen. Die lutherische Lehre wurde in den in der augsburgischen Confession festgesetzten Dogmen verbreitet.

1557

am 30. Juni, nach Beendigung des Katzenelnbogenschen Erbfolgestreites, war die ganze Herrschaft Hadamar mit Ellar wiederum dem Hause Nassau zugefallen. Die Dillenburgische Linie gelangte alsbald immer mehr in den Besitz der Länderteile, die das spätere Fürstentum Hadamar ausmachen.

1559

Johann VI. übernimmt die Regierung und treibt die Reformation mit aller Konsequenz vorwärts.

1566

zählt Frickhofen 65 Häuser und 148 Einwohner.

1567

hebt Graf Johann die Leibeigenschaft in der Grafschaft auf.

1570

Johann VI. gewinnt Gefallen an der Lehre Calvins. Die ewigen Streitigkeiten der Lutheraner sind ihm zuwider. Diese Lehre ist wesentlich vereinfacht. - Taufe und Abendmahl (das bedeutet: bildhaft Brotbrechen.) - Das Volk wehrt sich gegen die neue Lehre. Es folgen Bestrafungen, Viele wandern aus. Ein Befehl aus jener Zeit besagt, daß aus jedem Hause wenigstens eine Individuum zur Wochenpredigt kommen mußte.

Wie sehr die Frickhöfer Bevölkerung am alten Glauben hing, beweist aus dieser Zeit folgende Begebenheit:

"Zwei Frauen, die nicht die neue Lehre annehmen wollten, sollten mit Halseisen und Zuchtrute dazu gebracht werden." Ob dieseMaßregel tatsächlich angeweandt worden ist, kann nicht bewiesen werden. Es ist jedenfalls jedem klar, welche bedauernswerten Folgen derartige drakonische Maßregeln in bezug auf den inneren Frieden, wie auch auf die Moralität der Bevölkerung hatten.

Wie Wagner in seinem Buche "Regentenfamilie von Nassau- Hadamar" schreibt, predigten während der Kirchenspaltung folgende Geistlichen in Frickhofen:

1570 - 1575

der Geistliche Friedrich Schmidt, von

1578 - 1592

der Geistliche Daniel Bertram Corbach; er wurde wegen begangenen Ehebruchs in Haft genommen und 1592 abgesetzt.

Von

1592 - 1599

der Geistliche Leonhard Lonz und von

1599 - 1630

der Geistliche Wilhelm Siebenborn, geboren zu Dierdorf. Sommer wie Winter predigte letzterer jeden Sonntag in der St. Blasiuskapelle und in Langendernbach, denen die Vorbereitungspredigten in Frickhofen, Langendernbach, Dorchheim und Dorndorf vorausgingen.

Am

31. März 1607

erhielt Graf Johann Ludwig als Erbe von seinem Vater Johann VI. des Älteren aus dessen dritter Ehe das Amt Ellar, die vier Zehnten genannt, mit den dazugehörigen Kirchspielen und Gerichten: Lahr, Elsoff, Nieder-Zeuzheim und Frickhofen.

Graf Johann Ludwig kauft

1613

von der Familie Jakob Staudt aus Frickhofen die "Schimmelwiese" für 40 fl. Staudt hatte die Wiese von Graf Reinh. von Westerburg erworben.

1618 - 1648

DER DREISSIGJÄHRIGE KRIEG

brachte über unsere Heimat eine Periode schwerster Drangsalen. Die Kriegsfurie wütete schrecklich auf dem Westerwald. Freund und Feind fügten dem Land unsägliches Leid zu. Nassaus Grafen unterstützten ihren Vetter, den "Winterkönig" Friedrich von der Pfalz mit Geld und Mannschaften. Der Diezer Graf kämpfte auf dänischer Seite gegen den Kaiser. In Holland standen die nassauischen Grafen gegen die kaisertreuen Spanier.

Im Jahre

1619

äherte sich, aus dem Kölnischen kommend, ein Corps Bayern unter dem Grafen Anhalt. Die Truppen raubten und plünderten, was des Mitnehmens wert war. Die Bauern führten sie als Gefangene mit sich. Große Lösegelder wurden erpreßt. Den Gefangenen wurden Hände und Füße auf den Rücken gebunden, worauf man sie in den Rauchfang oder an einen Baum hing. Die Schultheißen erhielten den Befehl, alle jungen Leute aufzuschreiben. Sie mußten versichern, daß die listenmäßig erfaßten Burschen das Pulver wohl vertragen könnten. Mit einem sogen. Ausschuß sollten die Ausgehobenen das Land vor Übergriffen beschützen.

1622

Tilly und spanische Generale saugen das Land aus. Johann Ludwig versucht vergebens durch persönliche Verhandlungen das Los seiner Landeskinder zu erleichtern. Das einzige was Abhilfe schaffte, waren Geschenke. Die Truppen scherten sich weder an Schutzbriefen, die schwer erkauft waren, noch an Siegeln. Die ganze Bevölkerung ächzte unter der gewaltigen Last der Abgaben.

Die folgenden Zahlen werden jedem Leser zur Genüge sagen, wie die damaligen Verhältnisse lagen:

An die holsteinische Besatzung mußte wöchentlich gezahlt werden: dem Obristen 200 Rtl., dem Obrist Lieutnant 150 Rtl., 280 Pfund Rindfleisch, 3 Kälber, 3 Hämmel oder Schafe, 6 Gänse oder Enten, 14 Hühner, 200 Eier, 20 Maß Butter, Wein, Bier und Gemüse soviel gefordert wurde. Freitags genügend Fische, Entgelt für Gewürze und Konfekt 10 Rtl., 1500 Metzen Hafer, gemeiner Reiter 2 Rtl.

Tillys Truppen verlangten täglich: für den Rittmeister 6 Maß Wein, 12 Maß Bier, 20 Pfund Brot, 12 Pfund Fleisch, 2 Hühner, ein halbes Kalb und etliche Eier.

1623

quartierten sich laufend andere Truppen ein. Dazu gesellte sich die fürchterliche Krankheit: "Pest". Die Menschen starben wie die Fliegen. Gegen diese dämonische Krankheit war kein Kraut gewachsen. Regimenter des Generalmajors Lindenloh, des Obristen Cratz von Scharfenstein und des Obrist-Lieutnants Coronini stahlen und plünderten bei ihren Durchzügen die Bevölkerung aus. Der Küche des Generalmajors von Lindenloh mußte wöchentlich geliefert werden: 1 1/2 Rind, 7 1/2 Hämmel, 10 Hühner, 2 Schinken, 6 Pfund Speck, 50 Eier, 70 Pfund dürres Fleisch, 50 Plattfische, 50 Heringe, 1 holl. Käse, 20 Pfund Butter, gesalz. Lachs, frische Fische, Lebertran und 3 Pfund Lichter.

Trotz alledem sollen diese Regimenter die gütigsten gewesen sein. Man kann sich vorstellen, was andere gefordert haben werden, und daß das Volk ausgesogen war bis aufs Blut.

1624

am 19. Januar war hier eine der bekannten Kirchenvisitationen. Man suchte damit den neuen Glauben zu festigen. Der Geistliche Siebenborn hielt die Vorbereitungspredigten.

1629

Johann Ludwig kehrt zum Katholizismus zurück. Damit tritt eine Wende ein, die sich naturgemäß auf das ganze Land erstreckt. Die Gräfin Ursula bleibt allerdings reformiert. Die Kinder des gräflichen Paares werden die Söhne wie der Vater und die Töchter wie die Mutter im Glauben erzogen. Mit der Bekehrung Johann Ludwigs nahm der Calvinismus in unserer Heimat ein Ende.

Am

6. Januar 1630

begann das Wirken der Jesuiten in unserer Gegend. Johann Ludwig hatte sie aus Mainz und später aus Koblenz kommen lassen, damit sie das Bekehrungswerk in der Grafschaft durchsetzen sollten. Am Osterfeste wurde das 1. heilige Opfer auf dem St. Blasiusberge gefeiert. Am 12. Februar 1630 wurde der reformierte Pastor Siebenborn entlassen. Der erste katholische Priester nach der Kirchenspaltung war Johannes Sandler.

1631

wurde das Aschenkreuz wieder eingeführt.

Graf Ludwig Henrich von Dillenburg steht in schwedischen Diensten. Die nassauischen Grafschaften müssen auf Befehl an die Truppen Contributionen zahlen. Die reformierten Soldaten wüten noch schlimmer als der Reiterobrist Görzenich, der auf den vorgezeigten Schutzbrief Johann Ludwigs antwortete: "Ich schreibe mit dem Schwerte und siegele mit der Pistole!" Dieser berüchtigte Obrist trieb in unserer Gegend um 1626 sein Unwesen und wurde auf kaiserlichen Befehl als Räuber und Mordbrenner enthauptet. Der ganze Haß der Schweden ist auf die Katholiken gerichtet. Von entlassenen Predigern aufgehetzt, plünderten sie die Gotteshäuser und rissen die Priester buchstäblich von den Altären. Hauptsächlich auf die Jesuiten und Franziskaner hatten sie es abgesehen. Viele kamen nur in tiefster Dunkelheit aus ihren Verstecken und suchten als Bauern verkleidet die Gläubigen auf. Oft wurden sie unterwegs überfallen, ausgeräubert und mißhandelt. Durch Beschluß vom Februar des vorangenen Jahres durfte kein Verbrecher hingerichtet werden, wenn er nicht zuvor zum katholischen Glauben zurückkehrte. Da mit den calvinistischen Predigern auch die Schullehrer entlassen waren, mußte man auch da Abhilfe schaffen. Melchior Pistor aus Hundsangen hielt hier Unterricht. Er erhielt die Erlaubnis, bei allen Familien des Kirchspiels, einschließlich Frickhofen, wo es bisher nicht üblich war, einen Laib Brot aufzuheben. Wenn auch unter der Bevölkerung hier und dort einmal der calvinistische Geist durchbrach, konnte das doch der fortschreitenden Bekehrung keinen Einhalt tun.

1632

am 15. Oktober, zogen durch unsere Gegend Truppen des schwedischen Generals Baudissin. Seine Söldner raubten und plünderten wie ihre Vorgänger. Der "schwarze Tod" flackerte wieder auf. Die Jesuiten werden unter Bedeckung nach Koblenz gebracht. An ihre Stelle traten Weltgeistliche.

1633

wurden 9 Frickhöfer (Bauern) erschossen von dillenburgischen Soldaten. Der Gemarkungsname "Ochsenburg" ist aus der Schwedenzeit übernommen. Es war dies der Platz, an den die Ochsen für die Mannschaften von der Bevölkerung hingebracht werden mußten.

Die Pest nahm in diesem Jahre eine katastrophale Form an. Täglich forderte sie neue Opfer.

1634 -1635

wurde das gesamte Vieh und Getreide requiriert. In ihrem Hunger griffen die Menschen zu Ratten und Mäusen. Pferde- und Hundefleisch erschien ihnen als eine Delikatesse. Söldner der verschiedensten Nationen tummelten sich in der Grafschaft. Sie nahmen dem Bauern das letzte Stück Vieh stahlen dem Händler die Ware, holten das Obst und vernichteten die Saat. Es konnte nicht ausbleiben, daß die Bürger der Gemeinde Angst und Verzweiflung in die Wälder trieb. Die Menschen verwahrlosten und sanken auf eine tiefe moralisch-sittliche Basis. Durch ihren unnormalen Lebenswandel waren sie unzähligen Gefahren ausgesetzt. Die Pest feierte Triumphe. Die Chronik würde nicht ausreichen, wollte man alle Greuel des Dreißigjährigen Krieges, von welchen die Grafschaft heimgesucht wurde, entsprechend schildern.

1636

erreicht die Pest ihren Höhepunkt.

Der unsichtbare Giftodem des "schwarzen Todes" fordert unheimliche Opfer. Weder Mauer, Kraft noch Panzer schützte vor der pestilenzischen Seuche.

Viele Menschen ergriff das Entsetzen, sie packten ihr Bündel und wanderten aus. Den Zurückgebliebenen saß die höllische Krankheit im Blute. Die Befallenen fieberten und redeten irr. Frische Menschenkinder machte die Pest über Nacht zu Greisen. Bereits nach einigen Tagen hatten sie ausgelitten. Dann lagen sie still und stumm in ein Laken gehüllt vor dem Hause, bis der Totengräber kam und sie auf den Gottesacker brachte. Das "Geisterflämmlein" irrlichterte im Lande umher und drang durch Ritzen und Spalten in die Kammern der Menschen. Wer es sah, so erzählten die Alten, mußte schon nach einigen Tagen sterben.

In Dorndorf starben die Bewohner bis auf eine Familie aus. Die Frickhofener hausten mit ihren Familien in den Wäldern. Die Häuser wurden schief und baufällig. Mauern und Dächer zernagte der Zahn der Zeit.

Nur der St. Blasiuskapelle konnte die "schwarze Geißel" nichts anhaben, nach wie vor stand sie auf der hohen Felsenkuppel und schaute über wogende Brotfelder und grünende Wiesen hinweg in die weite, blaue Ferne ...

Risse und andere Spuren bewegter Zeiten wurden stets von gläubigen Menschen ausgebessert. Ihre stillen Gesellschafter blieben die zahllosen Toten, die um ihre uralten Mauern herum den ewigen Schlaf schlafen.

Alles nimmt einmal ein Ende. Zeiten kommen und gehen. Ende des Jahres geht die Seuche zurück. Nur langsam gewöhnen sich die Menschen wieder an das normale Leben und kehren zurück in die häusliche Gemeinschaft.

Drei Jesuiten kehren aus Koblenz nach Hadamar zurück. Sie finden die gleichen Verhältnisse wie vor dem Jahre 1630.

Ihr Wirkungskreis war groß. Viele Kilometer mußten sie täglich zu Fuß zurücklegen. Dazu herrschte im Lande eine ungemein große Unsicherheit. Oft werden einsame Wanderer überfallen und ausgeplündert.

1638

wurden die geistlichen Väter von den zum Kirchspiel Cleseberg gehörigen Einwohnern der Gemeinde Langendernbach gebeten, daß ihnen der Priester vom Blasiusberg an Sonn- und Feiertagen die heilige Messe in ihrer Gemeinde feiern solle. Ihre Eingabe wurde abgelehnt. So mußten die Langendernbacher weiterhin die St. Blasiuskirche besuchen.

Am 31. Oktober dieses Jahres fuhr Graf Johann Ludwig nach Köln zu wichtigen Verhandlungen. Durch berittene Kuriere blieb er in steter Verbindung mit der Residenzstadt Hadamar.

1640

DER SCHWARZE TAG VON FRICKHOFEN

Wieder sind fremde Söldner im Lande und plündern die Bewohner aus. Die Dörfer sind ihnen schutzlos preisgegeben. Wilde Gerüchte von Raub und Mord halten die Dörfler in Unruhe. In den SpinnStuben kursieren Schauermärchen von Gespenstern und unheimlichen Gestalten, die diesem und jenem begegnet sein sollen.

Als Folge der Besetzung durch das Bernhard'sche Corps ging ganz Frickhofen in Flammen auf. Ellar wurde zum größten Teil niedergebrannt. Die zügellosen Soldaten verwandelten die ganze Gegend in ein wüstes Durcheinander. Die Sitten waren verroht, und das geistige Leben fremdländischen Einflüssen verfallen. Zum zweitenmal muß die Bevölkerung ihre Habe packen und die Wälder aufsuchen.

Bis 1645 blieb die Gemarkung von Truppen verschont. Doch das nächste Jahr

1646

bescherte uns Kaiserliche und Bayern, die von dem Generalissimus Erzherzog Leopold Wilhelm kommandiert wurden. Wieder hält die Kriegsfurie ihre raubende Hand auf die stillen Hänge des Westerwaldes. Die Menschen werden ihres Lebens nicht mehr froh. Die Kirchengeräte mußten versteckt und das Vieh in Sicherheit gebracht werden.

Als

1648

die Glocken den Frieden Von Münster einläuten, wollen es die Leute nicht wahrhaben. "Friede ... ?" fragen sie, "kann es überhaupt noch einmal anders werden?" Das gegeißelte Land war zur Einöde geworden. Es fehlte an allem. Die Pestleichen, die einen penetranten Geruch verbreiteten, mußten vor allen Dingen beerdigt werden. Der Handel war geschädigt. Es herrschte eine ungemein große Sittenverderbtheit.

1649

kehrt Graf Johann Ludwig, reich geehrt und hoch in der Gunst des Kaisers, in seine Residenz Hadamar zurück.

1650

am 8. Oktober, wurde Graf Johann Ludwig in den Reichsfürstenstand erhoben. Ellar wurde Vogtei. Dazu gehörte Frickhofen.

Der Nachfolger des Fürsten, der Sohn Johann Ludwigs, Fürst Moritz Heinrich, trat am

8. Oktober 1653

das Erbe an. Er stand völlig unter dem Einfluß der Jesuiten. Seine Frömmigkeit war bekannt.

Am

30. Juni 1657

verkaufte er an Frickhofen den "Haan", Kirche und Boden samt Zubehör für 105 Reichstaler. Die Bezeichnung "Haan" hat sich bis auf unsere Tage erhalten. Es ist dies der Wald, in dem die Blasiuskapelle liegt.

1679

wurden die ersten Eintragungen in die Kirchenbücher vorgenommen.

Der Sohn Moritz Heinrichs, Fürst Franz Alexander, tritt das Erbe an. Als der Vater starb, zählte er gerade fünf Jahre. Nachdem sein Vormund Franz Bernhard verstorben war, lebte der Hof in Hadamar recht prunkvoll.

1705

Die Fürstin verläßt ihren Gatten. Als am

6. 12. 1708

der siebenjährige Erbprinz stirbt, vereinigten sich die Gatten wieder.

1710

wird der Fürst oberster Richter des Reichskammergerichts zu Wetzlar. Er starb nach einem Unfall (Sturz vom Pferde) an den Folgen der dadurch entstandenen Lungenverletzung. Der Tod erfolgte im Jahre

1711

Fürst Franz Alexander war der letzte Sproß des Nassau-Hadamarischen Fürstenhauses.

1712

Zunächst bleibt die Witwe, Fürstin Elisabeth, Regentin. Der Streit um die Erbschaft entbrannte. Gierige Hände rissen an dem verwaisten Fürstentum.

Am

29. Dezember 1717

besetzten die Deputierten mit Soldaten die ihnen zukommenden Kirchspiele. Das Lös hatte entschieden. Hofrat Reichmann nahm für Dillenburg Mengerskirchen, Lahr mit Hausen, Ellar etc. in Besitz.

1722 - 1732

Diese beiden Jahreszahlen finden wir über den Eingangstüren der St. Martinuskirche. Die gleichen Zahlen weisen die beiden Beichtstühle auf. Wahrscheinlich wurde in dieser Zeit die Pfarrkirche gebaut. Die St. Blasisuskirche wurde Nebenkirche. Zu dem Pfarrbezirk Frickhofen gehörten die heutigen Pfarreien bzw. Pfarrvikarien Frickhofen, Wilsenroth, Dorndorf, Dorchheim, Mühlbach und Langendernbach.

1728 - 1747

war Johann Wilhelm Hungrighausen aus Mengerskirchen in Frickhofen Pfarrer. Niederschriften von ihm lassen sich in den Kirchenbüchern nachweisen.

Aus dem Jahre

1736

stammt die Kanzel in der Pfarrkirche. (Ldskons. Ffm.)

Die beiden Beichtstühle kamen

1739

in die Pfarrkirche.

Im Jahre

1743

verblieben bei der Pfarrei nur noch die Gemeinden Frickhofen, Dorndorf und Wilsenroth. Diese drei Gemeinden bildeten ab 1743 die Pfarrei Frickhofen.

1749 - 1764

Johann Adrianus Alexander de Cabanes war in dieser Zeit Seelsorger in unserer Gemeinde. Er stammte aus Holzheide im Bezirk Wachdendonk in Belgien. Vom Heimweh gequält, begab er sich in seine Heimat zurück und starb dort im Jahre

1778

1764 - 1772

war Johann Gregor Adam in Frickhofen Pfarrer. Viel Mühe und Ärger hatte er beim Volke, die Anerkennung der neu erbauten Pfarr- und Mutterkirche durchzusetzen. Vor allem machte ihm die Übertragung der Glocken vom Berg in die St. Martinuskirche große Schwierigkeiten, schreibt die Kirchenchronik.

1768

soll die St. Blasiuskirche vom Blitz eingeäschert worden sein. Viele heimatkundlichen Bücher weisen auf dieses Brandjahr. Wahrscheinlich schleicht sich dieser Fehler zum ersten Male bei Luthmer ein. Einzelheiten über diesen Brand sind unter dem Jahre 1868 aufgezeichnet, also hundert Jahre später. Wer recht hat, kann nicht nachgeprüft werden. In den Unterlagen des Landeskonservators von Hessen ist das Jahr 1868 angegeben, an dem auch ich festhalten will.

1770

wurden bei Ausgrabungen auf der Dornburg Münzen mit römischem Gepräge gefunden. Sie legen Zeugnis von der Anwesenheit der Römer in früheren Zeiten ab.

1780

erbaute man in Wilsenroth die St. Bartholomäuskapelle. Der Eichenbalken über der Tür des Pfarrhauses weist die Zahl

1781

auf. In diesem Jahre wurde unter Pfarrer Martin Heinrich Thüringer der Bau fertiggestellt. Pfarrer Thüringer stammte aus Hadamar.

1795

Düstere Wolken hat die französische Revolution am politischen Himmel zusammengezogen. Die Revolutionskriege warfen auch ihre Schatten auf den Westerwald. Die Jakobiner, von Bonn kommend, streiften durch unsere Gegend, ihren Weg mit Raub und Brand kennzeichnend. Größtenteils kamen sie in Zivilkleidern. Ihre Ausrüstung, so berichten die alten Niederschriften, bestand aus Gewehr, Patronentaschen und langen Messern. In Dorchheim (Waldmannshausen?) wurde der französische Kommissar Burkhardt tödlich mißhandelt.

Am meisten hatten die Geistlichen unter ihrer Willkür zu leiden. Vielerorts wurden Häuser angezündet. In Hadamar waren Straßenkämpfe. Nachdem die Franzosen bei Höchst geschlagen wurden, traten sie den Rückzug an und verschanzten sich bei Limburg. Im Kampf mit den Kaiserlichen bei Diez, wurde die Truppe aufgerieben und kam auf ihrem Rückzug durch unsere Gegend unter dem Befehl Marceaus, der bei Hachenburg den Tod fand. Der Rückzug brachte naturgemäß viel Drangsal über das Westerwälder Volk.

1806 - 1813

GROSSHERZOGTUM BERG

"Oranien" hat aufgehört zu bestehen. Nachdem der Fürst von Nassau sich vom Reiche losgesagt hatte und dem Rheinbunde beigetreten war, teilte man sein Land dem Großherzogtum Berg zu, das von Joachim Murat verwaltet wurde. Der Kanton (Kreis), der zum Departement (Bezirk) Dillenburg gehörte, enthielt die Mairien (Bürgermeistereien): Hadamar, Offheim, Zeuzheim, Lahr und Frickhofen. (Rheinbundakte - Code Napoleon.) Die gesamte Verwaltung wurde im Großherzogtum nach neuen Theorien, die zwar theoretisch tatsächlich einen Fortschritt bedeuteten, sich für den sogenannten kleinen Mann aber recht unangenehm auswirkten, organisiert.

Die Bevölkerung mußte unter der Herrschaft von "drüben" viel erdulden. Manchen Deutschen trieben die Ausschreitungen der Franzosen zu unüberlegten Handlungen.

Auch in Frickhofen waren französische Soldaten einquartiert. Einer derselben schoß aus unmotivierbaren Gründen die einzige Kuh einer Witwe zusammen und ergriff die Flucht. Ein Frickhöfer, Jakob Staudt, genannt "Grußjokobs Jokob", der die Szene mit angesehen hatte, ergriff die neben ihm stehende Sense und schlug dem Franzmann, als er ihn gestellt hatte, ein Bein ab.

Der französische Ortskommandant schäumte vor Wut. Das ganze Dorf wollte er in Grund und Boden schießen lassen, falls keine Sühne geleistet würde. Die Gemeinde trat daraufhin 50 Morgen Wald an die herzogliche Regierung ab und zahlte in die französische Militärkasse 700 Gulden.

Zur Erinnerung an die Tat Grußjokobs Jokob errichteten die Bürger in der Nähe der Gastwirtschaft "Zur Post" eine Basaltsäule, die im Volksmund "Dicker Staa" genannt wurde. Später wurde die Säule in eine Mauer eines Privathauses (Josef Arkadius Schardt) eingefügt. Das Niederdorf, der Ortsteil in dem diese Tat geschah, nennt man heute noch: "Klein-Frankreich".

Ein Franzose verbüßte im "alten Rathaus" seine Strafe und stieß öfters laute Verwünschungen aus, in denen das Wort "diable" (Teufel) immer wiederkehrte. Daher sagt man noch heute: "Et jowelt (spukt) im ale Büro."

1815

kam nach dem Wiener Kongreßbeschluß das ehemalige Fürstentum Hadamar an Preußen und durch einen Vergleich weiter an das Herzogtum Nassau. Damit endeten die Beziehungen des ottonischen Stammes zu Nassau.

1824

richteten Überschwemmungen der Elb großen Schaden in der Feldflur an. Am 13. November machten große Wassermassen ein Fortkommen in der Hinterstraße unmöglich. Wie die Schulchronik berichtet, waren alle Brücken, die über die Elb führten, weggeschwemmt.

1836

am 8. November, vormittags zwischen 7 und 8 Uhr, wurden die hiesigen Einwohner in Angst und Schrecken versetzt. Der Ballon des Mechanikers Green aus London wurde vom Blasiusberg aus gesichtet. Er flog in Richtung Dornburg. Bisher hatte noch kein Einheimischer einen Ballon gesehen. (Schulchr.)

1840

verstarb am 17. März Bischof Dr. Wilhelm Bausch von Limburg. Bischof Bausch war 1810 Pfarrer zu Frickhofen.

1842

baute die Kirchengemeinde eine neue Orgel in die St. Martinuskirche ein.

1843

wurde die St. Blasiuskirche aus Collekten renoviert.

Die Bevölkerung litt in diesem Jahre unter einer großen Hungersnot. Das Brot kostete 24 - 28 Kreuzer. Für einen Sack Korn wurden 33 Gulden bezahlt.

1845

wanderten vier Familien, darunter ein Leineweber, nach Amerika aus, um dort "in der neuen Welt" ihr Glück zu suchen. (SChron.)

1846

herrschte eine große Armut unter den Bürgern und Bauern. Die Ernte war schlecht. Die Begüterten unterstützten die Ortsarmen dadurch, daß sie ihnen kostenlos Mittag- und Abendessen verabreichten. (SChron.)

1848

brachte die Revolution in der Umgegend Unruhen unter das Volk. Die Bürger verlangten unbedingte Pressefreiheit, allgemeine Volksbewaffnung, Versammlungsfreiheit und anderes mehr. Aus einer handschriftlichen Zusammenstellung des verstorbenen Lehrers Breithecker geht hervor, daß Frickhofen in jenem Jahre einen Hauptmann und angeblich auch einen Leutnant zeitigte. Von dem ersteren ist aufgezeichnet, daß er bei einem aufständigen Corps bei Magdeburg oder Hamburg den Hauptmann spielte. Heute sollen die Nachkommen noch den Dorfnamen "Hauptmanns" führen. Denselben Ursprung soll der Dorfname "Leutnants" haben.

Im Sommer 1848 wird von einem ungemein schlechten Schulbesuch geschrieben, ferner von den Trennungsabsichten zwischen Kirche und Schule und den Einwohnerwehren. Unter der Führung des Bürgers Weber wurden Übungen im Exerzieren und im Gebrauch der Waffen abgehalten. Auf dem Marktplatz, wo sich früher eine Erdschanze befand, war der Schießplatz.

Am 5. November wurden aus der Kirche Monstranz und Ciborium gestohlen. Die Persönlichkeiten der Täter konnten nicht ermittelt werden.

1849

stahlen Diebe aus der St. Blasiuskirche die Glocken. Bürger aus Frickhofen und den umliegenden Ortschaften umstellten den Wald und durchsuchten ihn. Die Täter entkamen unerkannt. Auf einer Wiese in der Nähe des Berzahner Waldes fand man eine Glocke, die andere blieb verschwunden. Die Wiese führt noch heute den Namen "Glockenwiese". (Lehrbreith.)

1851

wird zum ersten Male die Eisgrube (Eiskeller) erwähnt. Arbeiter legten die Grube frei, als sie Steine für den Wegebau abfuhren. Sammlungen für eine Erweiterung der Blasiuskirche wurden getätigt.

1856

wütete eine Nervenkrankheit unter der Bevölkerung. Erwachsene und Kinder starben an den Folgen.

1857

ging man daran, die Schule zwecks Neubau abzureißen. Auf der gleichen Stelle führte man den Neubau auf, der bis 1913 seiner Bestimmung diente. Während des Krieges wurde er als Lazarett und später als Rathaus benutzt.

1858

fand am 30. Dezember die feierliche Einweihung des Schulhauses statt.

1863

beerdigten die Wilsenröther als letzte Gemeinde auf dem Blasiusberge. (Totenweg.)

1864

war ein gewisser Jakob Schardt aus Frickhofen einer der ersten Helden im Kriege gegen Dänemark. Schardt war es, der den denkwürdigen Schuß auf das Schiff "König Christian" bei Eckernförde abgab, wodurch dieses in Brand geriet. Seine Name ist auf dem Landesdenkmal in Wiesbaden verewigt.

Ab

1864

besuchten die Langendernbacher nicht mehr die hiesige Pfarrkirche.

1866

waren mehrere Tote infolge Infizierung an Blattern zu verzeichnen.

Die beiden Brüder Klein hatten den Eid auf die Verfassung in Hadamar verweigert und wurden zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Zu dieser Zeit war es üblich, daß Bittsteller, die von dem König eine Gunst erhofften, nach Ems fuhren und sich vor dem König auf die Knie warfen. Die Mutter der Brüder Klein fuhr also dorthin und wurde vor Se. Majestät geführt. Dort unterwarf sie sich der üblichen Demütigung und reichte ihm ihr Gnadengesuch. Der König milderte daraufhin auch tatsächlich das Urteil. Als sich später die beiden Brüder freiwillig ins Feld meldeten, wurden sie amnestiert. Einer dieser Brüder war später in Frickhofen Polizeidiener und wurde im Volksmund "dä Tell" genannt.

In diesem Jahre wurde auf den Brunnen in der Hauptstraße, in dem sich das Löschwasser befand, eine Pumpe gesetzt, die später wieder abgenommen wurde. (Vor dem Hause Schardt.)

Die Arbeiten am Schulhaus gingen ihrem Ende entgegen.

Die jeweiligen Nachtwächter müssen die Stunden bis morgens 4 Uhr begleiten, das heißt, sie mußten jede Stunde mit ihrem Wächterhorn anzeigen.

1868 - 1870

Die Blasiuskirche wurde nach einem durch Blitzschlag verursachten Brande 1868 weitgehend erneuert; von dem ursprünglichen Mauerwerk sollen im wesentlichen nur der Chor und die Pfeiler des Mittelschiffs erhalten geblieben sein, die beim Neuaufbau Verwendung fanden. (Vgl. 1768.) (Lehrbreith.)

1870 - 1880

Sammlungen für die Renovierarbeiten in der Blasiuskirche fanden ihr Ende.

DEUTSCH-FRANZÖSISCHER KRIEG

Die Kinder sammeln Charpie zur Herstellung von Verbandsmaterial. Der Deutsch-Französische Krieg brachte unserem Dorf keine besonderen Drangsalen. Die Beschwerden verteilten sich über das ganze Land. Etwas besonderes Erwähnenswertes berichtet die Chronik aus dieser Zeit nicht.

1871

Unter den Schulkindern bricht die Rachenbräune aus (SChron.)

1872

wurde hier der "Krankenunterstützungsverein" gegründet.

1874

erschienen Vermesser der Hess.-Ludwigsbahn. Die von ihnen projektierte Eisenbahnlinie sollte Frickhofen in zwei Teile schneiden. Wie die Schulchronik berichtet, würde dann ein vier Meter hoher Damm das Dorf verunschönen. Die Entfernung von der Schule sollte ca. 50 Meter betragen. In Frickhofen selbst sollte nach dem ausgearbeiteten Projekt keine Station entstehen, trotzdem ein großer Teil der Bevölkerung Händler waren.

6. Oktober: Bürgerversammlung. Von 150 Bürgern der Gemeinde waren 110 erschienen. Diese Bürgerversammlungen dienten zur Volksaufklärung, und die Bürger nahmen gerne daran teil. (Bgm. Beschlb.)

1875

Nach einer Verfügung wurden die Lehrer der Kontrolle der Bürgermeister unterstellt. Diese hatten von jetzt an Aufsicht über Schuldauer, Urlaub und Pünktlichkeit.

1876

1. Dezember: Die Gemeindevertretung beschließt, im Gemeindebüro (Ratbaus) einen Schulsaal einzurichten.

1877

19. März beschloß die Gemeindevertretung, aus Anlaß des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs mit Böllern zu schießen. Aus der Gemeindekasse wurden Gelder zur Anschaffung von weißen Brötchen und Wurst für die Kinder verwendet. Der Tag wurde festlich begangen.

1878

8. Mai: Auf Beschluß der Gemeindevertretung mußte jeder Bürger innerhalb 3 Tagen 1 Liter Maikäfern abliefern; sämtliche Bäume mußten während dieser Frist gereinigt werden. Für Nichtablieferer wurden Strafen von 6 - 9 Mark verhängt

1879

hatte Frickhofen 294 Haushaltungen und 1497 Einwohner. Die Bevölkerung setzte sich aus Kaufleuten, Bauern, Händlern und Ziegelbrennern zusammen.

1885

20.4. wurde der Gastwirt Josef Schlitt und seine Ehefrau Bürger der Gemeinde Frickhofen. Das Bürgergeld kostete in dieser Zeit pro Person 40,- Mark. (Bgm. Beschlb.)

6.6. Aufhebung der Amtsverwaltungen. Durch die Kreis- und Provinzialordnung wurden neue Kreise gebildet. Es entstand ein neuer Kreis Limburg, der 53 Orte umfaßt, darunter Frickhofen.

Der "Männergesangverein" wurde gegründet. (Bgm. Vereinsreg.)

1889

15.1. Das Bürgerrecht wurde an Carl Fischer verliehen und weiter an Georg Heep IV. und Josef Brötz.

1.8. Frickhofen zählt 266 Haushaltungen und 1395 Einwohner.

1892

Am 10. Februar wurde der "Kriegerverein" gegründet. 1. Vors. Jak. Schneider.

1893

Kreuzerrichtung auf dem Blasiusberg. Das alte Kreuz hatten Naturgewalten zerstört. Der Wasserhochbehälter hinter dem Hause des Bauunternehmers Ferdinand Strieder, Wilsenrötherstraße 1, wurde errichtet. Mit dem Bau der Wasserleitung wurde begonnen.

1895

Gründung der "Freiwilligen Feuerwehr". Kommandant: Bgmstr. Gg. Staudt, 1. Hornist: Jakob Hartmann (Ortsname = "Bills Großer").

1899

Am 4. 2. wurde Johann Schneider als Mitglied der Militärkommission von der Gemeindevertretung ernannt. (Bgm. Bb. S. 4)

1900

wurde das Fundament eines Pfarrhauses auf dem Blasiusberge freigelegt. Arbeiter fanden alte Schlüssel, Teller, Waffen und Leuchter. Die Mauern hatten eine Stärke von ca. 1,50 Metern.

Die Gemeinde kaufte am 17. November von der Fa. Jak. Höckels aus Flörsheim die Turmuhr für die St. Martinuskirche für 1050,- Mark.

Der Verein "Reisende nassauische Handelsleute" wurde gegründet. 1. Vors. J. J. Jung.

In diesem Jahre wurde verhandelt über die Anlage einer Drahtseilbahn.

Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer Sitzung am 25. November, eine Straßenbeleuchtung anbringen zu. lassen. Es handelte sich um die Petroleumlaternen, die noch heute auf dem Speicher des alten Rathauses liegen.

1902

Der Unternehmer Theodor Ohl aus Diez/Lahn verlegte in diesem Jahre auf Beschluß der Gemeindevertretung die Wasserleitung im Niederdorf, in der Hinter- und Bahnhofstraße. Die Rohre, die zur Verwendung kamen, mußten vorher einer Druckprobe von 20 Atmosphären unterworfen werden.

1904

Manöver: die Ortseinwohner stellten Gespanne zur Beförderung des Militärs zur Verfügung.

1905

Festfeier des Kriegervereins.

Das Kloster "St. Josef" an das sich ein Kindergarten schließt, wurde fertiggestellt. In diesem Kloster fanden die Schwestern des Mutterhauses Dernbach Aufnahme. Ihnen obliegt die Obhut der Kinder, deren der Kindergarten 100 faßt. Das Kloster ist gleichzeitig Krankenhilfestation.

1906

wurde zu Ehren Sr. Majestät des Kaisers ein großartiger Festzug veranstaltet.

Am 11. 8. erhielten die Westerwälder Quarzitbrüche Bonn a. Rhein die Genehmigung, rechts dem Langendernbacherweg Schürfarbeiten vorzunehmen. (Bgm. Bb. S. 138)

Am 17. 10. wurde der Gesellschaft Quarzitbrüche Dortmund das Schürfrecht auf der "Haide" bis zur "Bruchheck" erteilt.

1907

beschloß die Gemeindevertretung im kommenden Jahre den Schulneubau vorzunehmen.

1908

wurde die ländliche Fortbildungsschule errichtet. Der Jahrgang 1891 war der erste, der diese Schule besuchte.

Der Radfahrerverein "All Heil" wurde ins Leben gerufen. 1. Vorsitzender: Georg Strieder, Langestraße.

23. November: Benedicierung des Schwesternhauses.

Die Gemeindevertretung beschloß, den alten Totenhof, der länger als 30 Jahre nicht mehr benutzt wurde, als Baugelände zur Errichtung der Volksschule freizugeben.

In diesem Jahre verzeichnet die Frickhofener Schulchronik verheerenden Hochwasserschaden in der Gemarkung. Besonders große Schäden wurden in der Hinter- und Scherbengasse angerichtet. Die Wassermassen brachten zentnerschwere Steine ins Dorf. Sämtliche Brücken, die über die Elb führten, wurden zerstört.

1910

Der Turnverein "Jahn" wurde unter dem Vorsitz von Johann Reichwein gegründet.

Rektor Heinzmann rief den "Verschönerungsverein" ins Leben. (Heimat- und Denkmalspflege).

17. Juli: feierliche Primiz des Paters Georg Schardt.

14. August: Einweihung des Kriegerdenkmals (1870/71) in der Hauptstraße vor dem Hause des Landwirts Josef Schardt. Es war vom Kriegerverin erbaut. Das schöne Denkmal wurde leider später abgerissen.

1. Oktober: feierliche Einsegnung des neuen Friedhofes in der Limburger Straße.

11. November: Großfeuer in der Hinter- und Scherbengasse. Auf den Feiertag "Martini" wurde durch drei 5jährige spielende Kinder in der Scheune des Juden Samuel Heilbronn ein Feuer angezündet, das in seinen Folgen für die ganze Umgebung schreckliche Folgen hatte. Das Wohnhaus und die Scheune der Familie Reichwein (Jesche), die Scheune der Familie Gröschen (Kathinkas), die Scheune der Familie Giesendorf (Lisbette) und die Scheune des Juden Samuel Heilbronn standen in wenigen Sekunden in hellen Flammen. Trotz Eingreifen der Feuerwehren aus den umliegenden Dörfern brannten die Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Wie durch ein Wunder blieb das Wohnhaus Gröschen und das Haus des Metzgers Heep (Metzgerschorsch) vom Feuer verschont.

Des öfteren wurden die Felder der Gemeindebeamten und der Gemeindevertretung von Einwohnern beschädigt, wenn diese in Ausübung ihrer Pflicht diesem oder jenem zu nahe traten. Am 10. Februar 1910 hatte man deshalb den Beschluß gefaßt, in allen Fällen, in denen die Feldfrevler unerkannt blieben, die Beamten und Mitglieder der Gemeindevertretung aus der Gemeindekasse zu entschädigen.

Am 17. August beschloß die Gemeindevertretung die Jahrmärkte auf den 4. Dienstag nach Pfingsten und den 4. Dienstag nach Michaeli festzusetzen. Bestraft wurden diejenigen, die über Felder fuhren, die von der Gemeindevertretung zugemacht (geschlossen) waren. (Dreifelderwirtschaft).

1911

Ein neuer Hochbehälter rechts vom Kreuze am Bergweg wurde erbaut. Gleichzeitig wurde eine neue Quelle gefaßt und dem Wasserwerk zugeleitet.

Großbrand in Frickhofen" berichteten die Zeitungen aus diesem Jahre. Am Tage vor Palmsonntag, morgens um 11 Uhr, brach ein Brand aus, der verheerende Folgen hatte. Das Feuer, begünstigt durch einen starken Ostwind, griff auf mehrere Häuser über. Insgesamt wurden 5 Häuser und 4 Scheunen vernichtet. Die Glocken der Martinuskirche läuteten Sturm. Die Feuerwehren aus der ganzen Umgegend waren am Brandherd zusammengezogen, mußten sich aber, da sich das Feuer mit Windeseile verbreitete, auf den Schutz der Nachbarhäuser beschränken. Die betroffenen Häuser brannten bis auf die Grundmauern ab. Die Obdachlosen kamen bei Verwandten und bekannten Familien unter. An Hausrat und Möbeln wurde fast nichts gerettet. Die Polizei sperrte bis zur Kirche ab. Das ganze Dorf war auf den Beinen und versammelte sich bei der Kirche.

1912

Erster Spatenstich zum Neubau der Volksschule auf dem "alten Totenhofe".

25. März: feierliche Primiz des Neupriesters Alois Giesendorf von hier in der St. Martinuskirche.

5. April: Gründung des "katholischen Jünglingsvereins".

1913

15. 2. Gründung des "Junggesellenvereiens". 1. Vors. Albert Laux.

1914 - 1918

Der I. Weltkrieg

Mit dem Ausbruch des I. Weltkrieges begann eine Menschenvernichtung, wie sie bisher das Abendland noch nicht erlebt hatte. Nach und nach stand gegen Deutschland eine ganze Welt von Feinden.

Nach Beendigung des Krieges im Jahre 1918 kehrten die Überlebenden nach Hause zurück. Deutschland war arm geworden, dazu kam fremde Besatzung ins Land.

Über 2 000 000 Deutsche starben den Heldentod im Weltkrieg. Davon liegen mehr als 1 1/2 Million in fremder Erde. Sie ruhen im Osten und Westen, Süden und Norden. Über viele unserer Toten rauschen die Wogen aller Ozeane. Gräber und Gedenkstätten unserer teueren Gefallenen finden wir in allen Erdteilen. Wo Umbettungen vorgenommen werden konnten, wurden zum Teil unvergängliche Mahnmale errichtet.

Den Frickhofener Gefallenen wurde eine Gedächtnisstätte in der Gemeinde errichtet, worauf ihre Namen festgehalten sind. Sie werden uns unvergeßlich sein.

In die Zeit des I. Weltkrieges 1914 - 1918 fällt auch der aufsehenerregende "Lusitania"-Prozeß in Amerika, in dem ein Frickhofener mit Namen Stahl, im Volksmund "Wetzstaa-Jokob" genannt, eine gewichtige Rolle spielte. Am Tage bevor die "Lusitania" in See stechen sollte, hatte Stahl dieses in Begleitung eines Stewards betreten und gesehen, daß das Schiff mit 6 verdeckten Geschützen armiert war. Auf der Redaktion der "New York World" hatte er dieses beeidet. Irgendwoher bekam die Deutsche Admiralität von der Bestückung dieses Schiffes Kenntnis, worauf es von U.-Booten versenkt wurde. Nach seiner Verhaftung hatte Stahl seine erste Aussage aufrecht erhalten und wurde in den Zeitungen der "eiserne Stahl" genannt.

Einige Zeit darauf schrieben englische Zeitungen Rühmliches von einem Deutschen, welcher augenblicklich der berühmteste Musiker ihres Landes sei. Es handelte sich um Professor Clee (Klee), einen Frickhofener, von der Oper zu Manchester.

Eine Familie, die einen Musiker zum Erwerb in allen ihren früheren Gliedern in die Welt sandte, trägt den Namen "Spielmanns". Wie dieser Dorfname, so lassen sich viele andere auf die Vergangenheit zurückführen.

1919

17. 3. wurden infolge Wohnungsknappheit Schulsäle zu Privatwohnungen freigegeben.

30. 10. beschloß die Gemeindevertretung, einen Leichenwagen zu beschaffen.

1920

wurde der Theaterklub "Frigga" gegründet. 1. Vors. Anton Schardt.

1921

suchte die Heimat eine furchtbare Trockenperiode heim. Die Presse bezeichnet sie als die "größte Trockenperiode des Jahrhunderts".

1922

die St. Martinuskirche erhält neue Glocken. Am 6. Mai wurden sie in den Turm gehängt. (Maria, Josef und Martinus)

Die Drahtseilbahn wurde erbaut. Sie beginnt bei der "Nill" = Dolerit-Basalt A.-G. in Dorndorf und führt über Wege und Felder zur Verladestation in der Nähe des Tannenwäldchens in Frickhofen.

1923

das typische Inflationsjahr. Die Preise stiegen in die Milliarden. Für größere Einkäufe benötigte man einen Reisekoffer, um all das Papiergeld unterzubringen. Täglich wurde abgewertet.

1925

Der "Sportverein Frickhofen" wurde gegründet.

Pfarrer Heinrich Egenolf feierte sein goldenes Priesterjubiläum.

Unter Albert Brast als Vorsitzendem gründete sich der "Wanderklub Bergeslust" (Bgm).

1927

Im Schwesternhaus wurde eine Nähschule errichtet. Für den Kindergarten wurde eine Halle gebaut.

Am 10. Juli erhielt der Schützenverein Frickhofen für die Dauer seines Bestehens von der Gemeindevertretung ein Gelände in der Größe von 200 * 20 m zur Errichtung eines Schießstandes und Schützenhauses unter der Bedingung zugesprochen, daß bei Auflösung des Vereins das überlassene Gelände und das Schützenhaus an die Eigentümerin von Grund und Boden (Gemeinde) zurückgehen sollte. Als Entgelt für die spätere Übernahme des Hauses brauchte keine Pacht entrichtet zu, werden.

14. 12.: Gründungsfeier des "Vereins der Musikfreunde". 1. Vorsitzender: Josef Stahl, Frickhofen.

1928

Unter Rektor Heinzmann, Frickhofen, wurde eine "Sanitätskolonne" (DRK) ins Leben gerufen. Die Mitglieder wurden in der ersten Hilfeleistung unterrichtet.

Der Bezirksverband in Wiesbaden bewilligte zur Instandsetzung der St. Blasiuskirche einen Zuschuß von 500,- Reichsmark. Es handelte sich hauptsächlich um die Ausbesserung von Schäden, die durch Undichtigkeit des Daches entstanden waren.

1929

baute die Gemeinde ein neues Wasserwerk, das gegenüber dem alten mit 150 cbm 350 cbm Wasser faßt. Die Ausführung des Projekts wurde der Fa: Wilhelm & Geberzahn, Limburg, für ein Angebot von insgesamt 23 221,- Reichsmark vergeben. Die beiden Quellen, die den alten und den neuen Hochbehälter speisen, liegen unterhalb des Blasiusberges. Da die Ergiebigkeit der beiden Quellen in Zweifel gezogen wird, hat die Gemeindeverwaltung geplant, die Quelle "Ohleborn", die auf dem Waldgelände (Distrikt "Kohlhau") im Gemeindegebiet entspringt, später dem Hochbehälter zuzuführen. Der neue Hochbehälter birgt drei Wasserkammern. Die erste Kammer, die das Wasser der Quellen sammelt (Feuerbassin), faßt 150 cbm und die beiden anderen Kammern (Verteilerbassin) je 100 cbm Wasser.

Mit dem Bau dieses neuen Hochbehälters wurde den Bedürfnissen der Bevölkerung weitgehend Rechnung getragen. Das Wassernetz wurde ebenfalls erweitert. Die Statistik verzeichnet in diesem Jahre 380 Hausanschlüsse, 48 Hydranten und 370 Wassermesser.

1930

Der Bezirksverband bewilligte einen weiteren Zuschuß von, 300,- Mark zur äußeren und inneren Instandsetzung der Blasiuskirche.

Das Jahr 1931 steht im Zeichen einer großen Arbeitslosigkeit. Fast 2/3 der männlichen Bevölkerung ist arbeitslos. Nachdem sie in der Arbeitslosenfürsorge ausgesteuert sind, fallen sie der öffentlichen Fürsorge zur Last. Über zehn politische Parteien waren in Frickhofen vertreten. Viele Arbeitslose glaubten mit ihrem Beitritt in die NS- Partei, die als Ziel die Beseitigung der Arbeitslosigkeit publizierte, bald aus der armen Zeit herauszukommen. Viele Familien erhielten wöchentlich nur 3,- Mark für den Lebensunterhalt.

1931

Noch immer keine Arbeit. Es bestehen auch keine Aussichten. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert sich. Durch freiwillige Mithilfe der Arbeitslosen wurde die Friedensstraße ausgebaut.

1933

Erstaufführung des Theaterstücks "Die Donarburg", von Lehrer Ferdinand Stähler.

In diesem Jahre war ein starker Fremdenverkehr zu verzeichnen. Der Blitz schlug in die mächtige, ca. 1000 Jahre alte Linde links vom Kreuze auf dem Blasiusberge. Alle Versuche, den Baum lebensfähig zu erhalten, scheiterten.

1934

starb der durch seine Menschenfreundlichkeit und aufopfernde ärztliche Betreuung so beliebte Arzt Dr. med. W. Jos. Firmenich. Sein Sohn Werner übt heute im elterlichen Hause eine Praxis als Zahnarzt aus. Außer ihm haben die Dentisten Nachtmann und Herget, in der Waldstraße eine zahnärztliche Praxis.

1935

2. Mai, wurde unter Viktor Stähler der "Obst- und Gartenbauverein" gegründet.

Unsere Badeanstalt, 450 Meter unter der Dornburg, wurde nach einem Projekt des Architekten Peter Schardt erbaut. Die tiefste Stelle mißt 3 Meter.

1936

gewährte der Bezirksverband Wiesbaden einen Zuschuß von 100,- Mark zur äußeren Instandsetzung des Rathauses.

1937

Erich Heinzmann, der Sohn des Rektors Heinzmann, feierte in diesem Jahre in der Pfarrkirche seine Primiz.

1938

Das Spritzenhaus wurde nach einem Plan des Architekten Schardt erweitert, da der vorhandene Platz nicht mehr ausreichte, Ausrüstung und Motorspritze der Freiw. Feuerwehr unterzubringen.

1939

Ein Blitz aus heiterem Himmel konnte keine größere . Bestürzung auslösen als für unsere Bevölkerung der Kriegszustand. Er riß unsere Männer, Söhne und Väter aus dem Kreise der Familien, von der Arbeitsstätte und der Ausbildung. Die Wehrbezirkskommandos schickten Einberufungsbefehle, und alle wehrpflichtigen männlichen Personen mußten mit einer kurzen Einberufungszeit rechnen. In unserer Gemeinde wurde ein Luftschutzwarndienst aufgebaut. Die Fenster mußten verdunkelt werden. Kein Lichtstrahl durfte wegen der drohenden Fliegergefahr auf die Straße fallen. Geschultes Luftschutzpersonal kontrollierte die Luftschutzkeller und Splittermauern vor den Fenstern der Keller. Die lange zuvor im Geheimen geplante Zwangsbewirtschaftung streckte ihre Krallen aus und schlug ein ganzes Volk in ihre Fesseln. Die Menschen wurden "ferngelenkt".

Für alles mögliche gab es Karten. Waren, die seit langer Zeit aufgestapelt und planvoll verteilt wurden, beugten dem Hunger vor. Der Auslandshandel stockte. Deutschland mußte sich selbst ernähren. Viele glaubten an ein schnelles Kriegsende. Es gab auch Pessimisten. Da die Ernte bei Kriegsbeginn noch nicht lange eingebracht war, waren die Speicher der Bauern gut gefüllt.

Am 1. Dezember erfolgte hier die erste Einquartierung. Es waren Soldaten des motorisierten Infanterie-Regiments Nr. 86, Mühlhausen.

Von dem Frankfurter Architekten Martin Weber wurde ein Projekt zur Erweiterung der Pfarrkirche ausgearbeitet, das jedoch nicht zur Ausführung kam.

Ein "Kaninchenzuchtverein H 356", wurde gegründet. 1. Vorsitzender H. Altpaß.

In verschiedenen Familien hat der Krieg bereits die ersten Wunden geschlagen.

Am 1. März wurden Soldaten des Kavallerie-Schützenregiments Nr. 4, Iserlohn, einquartiert, die am 10. Mai wieder abrückten.

Täglich, wochenlang, ziehen durch die Straßen deutsche Panzer, Geschütze, LKWs, Infanterie und nochmals Infanterie, alles motorisiert, in Richtung Westen, um die Front zu verstärken. Tag für Tag meldet der Rundfunk Sonderberichte über die siegreiche Großdeutsche Wehrmacht. Das Schicksal scheint unseren Truppen hold zu sein. Die Soldaten sind zuversichtlich und hoffen auf ein baldiges Kriegsende. Zeitungen und Wochenschauen berichten fast nur noch vom Kriegsgeschehen. Das Abhören der Feindsender ist bei Strafe verboten.

1941

Auf höheren Befehl müssen die Glocken aus der St. Martinus- kirche zum Einschmelzen abgeliefert werden. Die kleinste Glocke verblieb im Turm. Die Glocke in der St. Blasiuskirche blieb ebenfalls hängen.

1942

Die Kriegsperipherie nimmt immense Formen an. Schritt für Schritt kommen unaufhaltsam Textilien, Schuhe und Waren unter Kontrolle.

Die Karten werden bunter und die Mengenaufdrucke kleiner. Im kleinsten Dorf fehlt nicht das Bezugsscheinamt.

Die Sehnsucht der Eltern, Frauen und Kinder nach den Angehörigen im Felde wird immer stärker. Sie ist mächtiger als alle äußeren Fesseln.

1943

Vier Jahre zehrt bereits Sorge, Angst und Furcht an unseren Nerven. 4 Jahre Kartensystem und damit Kalorienzuteilung. Die Frauen treten an die Stelle der Männer. Sie stehen am Schraubstock, helfen der Post beim Verlegen von Kabeln und stehen in den Munitionsfabriken. Gleichzeitig waren sie Hausfrau. Kurse in der ersten Hilfe wurden vom Roten Kreuz abgehalten. Die Frau lernte verbinden, Medikamente kennen und Schmerzen lindem. Die ganze Heimat stützte sich auf die Frau. Sie stand wahrhaftig in jeder Lage ihren Mann, auch wenn es oft schwer fiel. Viele junge Mädchen standen im Kriegseinsatz als Nachrichtenhelferin, sogen. "Blitzmädel" und Rote-Kreuz-Schwester.

Am 15. 9. wurde der Fa. Bernhard Schnock, Maschinenbau, aus Düsseldorf-Benrath, Land rechts dem Langendernbacher Weg zur Errichtung von zwei Fabrikhallen und Lagerplatz auf die Dauer von 30 Jahren verpachtet.

Hier sollen Bäckereimaschinen nach dem Doppelrotiersystem hergestellt werden. Der Besitzer ist Ingenieur.

Nachdem die Hallen aufgebaut waren, wurden sie mit einem Schutzanstrich gegen Fliegersicht getarnt. Das Werk beschäftigt 30 Arbeiter und Lehrlinge.

1944

Die Schraube der Zwangsbewirtschaftung wird angezogen. Nachrichten von Gefallenen und Vermißten treffen immer mehr ein. Unsere Frauen wissen kaum mehr, daß sie einmal ganz ohne Karten und Bezugsscheine gelebt haben. Wie lange ist das eigentlich schon zurück? Die Sorge tritt nicht mehr allein auf. Ihr Bundesgenosse ist die nervenfressende Angst um das Sein, um das bloße Leben. Wenn bei Tag und Nacht ganze Geschwader von feindlichen Bombern über unser Dorf fliegen, sucht die Bevölkerung, Frauen, Kinder und Greise, Schutz in den Luftschutzkellern, um mit angehaltenem Atem den fliegenden Tod über die Dächer donnern zu hören. Tagsüber hielt sie der Arbeitsrhythmus gefangen. Nachts wurde das Grübeln von dem Heulen der Alarmsirene unterbochen. Wir lebten von einer Stunde zur anderen, von einem Tag in den andern, ohne weiter zu denken. Mit einem Wort: Wir lebten nur für die Gegenwart.

1945

Am 5. März warfen vier USA-Bomber acht Bomben über dem Dorf ab. Es entstanden Gebäude- und Materialschäden.

19. März: 27 USA-Bomber greifen unseren Bahnhof an. Die beiden Häuser von "Schultheiß" und "Erl" im Niederdorf, stürzen zusammen. Personen waren keine zu beklagen. Die obdachlos gewordenen Familien erhielten bei Bekannten Asyl.

26. 3.: Kleine deutsche Truppeneinheiten befinden sich auf dem Rückzug durch Frickhofen. Die Soldaten sind abgekämpft und zum Teil ohne Waffen. Amerikanische Flieger kreisen über dem Dorf, werfen aber keine Bomben ab.

26. März, 24.00 Uhr: Einmarsch der amerikanischen Vorhuten. Frickhofen wurde kampflos besetzt. Die Bevölkerung saß verängstigt zum Teil in den Kellern, als die ersten Panzer einrollten.

Nach völligem Zusammenbruch schweigen die Waffen.

"Wo sind unsere Väter, Männer und Söhne?" fragen sorgenvolle Eltern, blasse Frauen und hungrige Kinder. Viele haben seit Monaten keine Nachricht mehr von ihren Lieben, und doch hoffen alle, ihren Vermißten eines Tages wohlbehalten in ihrer Mitte zu sehen. Einige hatten das Glück, nach dem Zusammenbruch zurückkehren zu können, doch ein hartes Schicksal zwang sie wieder auf die LKWs der Neger und fuhr sie in eine ungewisse Gefangenschaft.

Die Landstraßen, die ehemals Soldaten bevölkerten, sind heute vollgepfropft mit Heimatlosen - Vertriebenen, Verzweifelte, verbitterte Menschen suchen im Westen neuen Lebensinhalt. Vereinzelte kommen auch nach Frickhofen. Zu der ganzen psychischen Not lernen sie die ganze Brutalität des Hungers kennen. Die Aufrufe werden geringer, und der Kaloriengehalt sinkt. Es beginnt eine Hochkonjunktur für Schwarzhändler und lichtscheues Gesindel. Mit Zigaretten, Schokolade, Bohnenkaffee und Textilien tauscht und baut man alles. Die Losung heißt Verbindung. Ein Großteil Menschen ver- dient sich auf diese Art und Weise seinen Lebensunterhalt und kommt ohne geregelte Arbeit aus.

1946

Im April und Mai geht in Frickhofen eine Veränderung vor. Ausgewiesene aus dem Osten treffen in mehreren Transporten ein. Vorerst werden sie in dem leeren Saal der ehemaligen Gastwirtschaft Karl Heep, Bahnhof Straße, untergebracht. Spenden der Organisationen und Einzelgaben helfen über die erste Zeit. Nach und nach schafft die Gemeinde Privatunterkünfte.

Am 27. Juni wurden die Vertreterbeschlüsse vom 10. 4. 33 und vom 8. 6. 33 annulliert. Sie besagten, daß Hitler, Hindenburg und Sprenger zu Ehrenbürgern der Gemeinde Frickhofen ernannt wurden.

Im Oktober kam ein neuer Flüchtlingstransport aus der CSR.

Am 26. Dezember wurde die "Kulturvereinigung Frickhofen" ins Leben gerufen. 1. Vorsitzender Heribert Heep.

1947

wurde die Hubquelle zur Wasserversorgung der Gemeinde erfaßt. Die Leitungsgräben wurden unter freiwilliger Mitarbeit der Gemeindebürger ausgeworfen.

Der Fa. Josef Gabriel wurde pachtweise der Parterreraum im alten Rathaus zur Errichtung einer Glasveredlungsanlage von der Gemeindevertretung überlassen.

27. 3. 47 wurde wegen einer Kreuzschändung und dem Überhandnehmen nächtlichen Unfuges für vier Wochen jegliche Tanzmusik von der Gemeindevertretung untersagt.

Entsprechend dem Gesetz zur "Beschaffung von Siedlungsland und Bodenreform", bekam jeder Flüchtling 1 Ar Ackerland von der Gemeinde zur Selbstbewirtschaftung zugewiesen. Insgesamt wurden sechs Morgen vergeben.

Die Sakristeitüre auf dem Blasiusberg wurde von unbekannten Tätern nachts erbrochen.

Bürgermeister Nonn verpflichtete 60 Bürger zu ehrenamtlichen Landwächtern, da die nächtlichen Forst- und Holzdiebstähle derart zunahmen, daß ernsthaft zum Selbstschutz gegriffen werden mußte.

Das Wasserbassin wurde abgedichtet und instand gesetzt.

Registriert wurden 76 Kriegsgefangene, 1 Zivilinternierter und 72 Wehrmachts- und Zivilvermißte.

Im Herbst riß ein starker Wind die Stiegen auf den Feldern auseinander und trug sie meterweit fort. Das Unwetter richtete starke Schäden in der Feldflur und im Walde an.

4. 8.: Katholische Jugend (über 200 Jungen) zeltet auf dem Blasiusberg. Sie gehörten zum Dekanat Hadamar.

1948

5. 2. verpachtete die Gemeinde an die Firma Form & Grimm Baugelände im Eichwald zur Errichtung einer Former- und Gießerhalle.

6. 2. wählte der Gesangverein "Eintracht" Herrn Anton Schmidt zum Ehrenpräsidenten. (50 Jahre aktiver Sänger.)

Eine Ortsgruppe der Körperbeschädigten, Soz.-Rentner und Hinterbliebenen wurde gegründet. 1. Vorsitzender Gg. Ries.

Im Juni firmte Bischof F. Dierichs von Limburg in Frickhofen über 200 Kinder und 12 Erwachsene.

Im Juli wurden bei der Kirche die mächtigen Akazienbäume gefällt, die 1877 gepflanzt wurden.

Der Hilfsdienst der Vertriebenen errichtete eine Ortsstelle. Obmann Neubürger Rob. Pflüger.

11. 8.: Die Einwohnerzahl der Gemeinde Frickhofen beträgt mit den Neubürgern zusammen 2435. Davon männlich 1115; weiblich 1320. Gesamtzahl der Katholiken 2401; Evangelische 34 Seelen.

DER GEHEIMNISVOLLE TAG "X"

20. Juni 1948. An diesem Sonntag wurde die neue Währung eingeführt. In der Nacht zuvor hatten Beamte unter dem Schutz von bewaffneter Polizei das neue Geld, die "Deutsche Mark" zur Verteilung unter die Bevölkerung gebracht. Die Einzahlung von Altgeld und Auszahlung von Neugeld regelte das LEA Hessen im Einvernehmen mit dem Innenminister. Von morgens 8 bis nachmittags 19.00 Uhr wurde auf dem Bürgermeisteramt Geld umgetauscht. Die Einwohner mußten ein Kopfgeld von 60,- RM zum Umtausch mitbringen, was vielen schwer fiel. Eine sogen. Kopfquote von 40,- DM wurde ausgehändigt. Der Rest von 20,- DM sollte später ausgezahlt werden. Das Gemeinde-Reichsmarkguthaben verfiel restlos. Das private Kassenvermögen wurde 10:1 abgewertet. Die Aus- und Einzahlung des Geldes geschah vorbildlich.

Insgesamt wurden von der Gemeinde vereinnahmt: RM 143.340,-
verausgabt: DM 95.520,-

Ganz kurze Zeit nach dieser überraschenden Währungsreform konnten die Einwohner in den Läden alles einkaufen. Die lange zurückgehaltenen Waren wurden in die Schaufenster geworfen. Die Kundenwerbung setzte ein, die Verkäufer wurden zuvorkommender zu der Kundschaft und sagten wieder: "Guten Tag" und "Auf Wiedersehn", was vor der Währungsreform oftmals vermißt wurde. Und das Leben ging weiter. Man hatte sich schnell an die "Deutsche Mark" gewöhnt und empfand die Kaufkraft dieser neuen Mark als beruhigend. Zuerst war die Kauflust groß und alles, ob zweck- oder unzweckmäßig, wurde gekauft. Aber die Kopfquote war kein "Esel streck dich", sondern ein Rinnsal, das schnell versickert war. Viele, die lange Zeit ohne Arbeit ausgekommen waren, dachten nunmehr ernstlich daran, mit den übrigen wieder eine Arbeit aufzunehmen. Der Tauschhandel stockte, Geld zog mehr als verschobenes Wehrmachtsgut und das Universalzahlungsmittel Kaffee. Die Preise sanken in der Nacht von ihren schwindelnden Höhen und blieben auf einer allgemein erträglichen Basis stehen. Mit der Zeit stieg die Arbeitslosenziffer. Die Landes- und Fürsorgeämter unterstützen, wo sie konnten. Caritative Einrichtungen halfen das schwere Los der Heimkehrer und Mittellosen lindern.

1949

11. 1.: Die Gemeindevertretung plant, den alten Friedhof (Wilsenröther Straße) zu einem späteren Zeitpunkt einzuebnen.

1. 2.: Rektor A. Heinzmann - seit 1905 in Frickhofen - tritt in den Ruhestand. Nach dem Tode des Hauptlehrers Faxel wurde H. dessen Nachfolger. Seit 1928 Rektor an der Volksschule.

8. 4. wurde, um die Jahnstraße in die Waldstraße durchzuführen, der Acker, der die Jahnstraße von der Waldstraße trennte, gegen Gemeindeland umgetauscht.

13. 4.: Auf Verfügung der Aufsichtsbehörde bekam die Gemeinde Frickhofen die Funktionen einer Wohnungsbehörde übertragen. Nunmehr war es Aufgabe des Bürgermeisters, leergewordene Wohnungen an Bedürftige zu verteilen. Die Wohnungsuchendenliste enthält über 100 Anträge auf Zuweisung einer Wohnung. Die Gemeindevertreter erklärten sich bereit, ohne Ausnahme als Mitglieder in der Wohnungskommission mitzuwirken.

Kaufmann K. Wallrabenstein, Limburg, pachtet auf 30 Jahre im Distrikt "Rauborn" Gelände der Gemeinde zur Anlage einer Obstbaumplantage.

9. 7. stellen bei der Gemeinde die Schule, Sport- und Turnverein den Antrag auf Planierung des Sportplatzes. Sie verlangen, unterstützt von dem Jugendforum, die Renovierung und Ausbauung des Badebassins. Nach Berechnungen von Sachverständigen sollen die Wiederherstellungskosten sich auf über 15.000,- DM belaufen. Die schlechte Finanzlage der Gemeinde läßt die Akzeptierung der Anträge nicht zu.

30. 7.: Die Gemeinde sieht sich gezwungen, das Wasser der Quelle "Ohlenborn" den Hochbehältern zuzuführen. Teilweise läßt sich die Wassernot in der Gemeinde auf die fortschreitende Industriealisierung zurückführen. Die Gemeinde faßt einen entsprechenden Beschluß.

23. 9. wurden die Kanalisationsarbeiten der Jahnstraße dem Bauunternehmer Karl Heep aus Elbgrund übertragen. Sein Angebot war unter mehreren das günstigste mit 7.806,08 DM. Der Unternehmer mußte sich verpflichten, das erforderliche Material nur bei Frickhöfer Finnen zu kaufen und zu den Arbeiten, die im Rahmen der werteschaffenden Arbeitslosenfürsorge durchgeführt wurden, nur Frickhöfer Arbeitslose zu verwenden.

20. 10.: Der Bürgermeister Brötz führte nach zehnjähriger Unterbrechung den traditionellen Frickhöfer Herbstmarkt wieder ein, der ein guter Erfolg wurde. (Rindvieh-, Schweine- und Krammarkt.)

FRICKHOFEN ERHIELT EINE LEICHENHALLE

Notwendig geworden durch den Zustrom der vielen Ausgewiesenen aus dem Osten, soll die Leichenhalle eine würdige Aufbahrungsstätte für die Toten sein, da wegen der beengten Wohnungsverhältnisse kaum Platz in vielen Häusern vorhanden ist. Ursprünglich war sie wesentlich kleiner geplant und sollte nur den notwendigen Zweck erfüllen. Aber trotz der Not der Zeit ist daraus eine kleine Friedhofskapelle geworden, die sich stilvoll in den Rahmen des Friedhofes einfügt. Die Gesamtkosten der Leichenhalle belaufen sich auf 6.200,- DM. Den Plan fertigte Architekt Pet. Schardt, und die Bauleitung war bei Bürgermeister Brötz in besten Händen. Die Bauarbeiten hat die Firma Georg Stähler ausgeführt. Die Fenster lieferte Fa. Form & Grimm, die Eingangstüre fertigte die Fa. Toni & Josef Schneider, das Kreuz schnitzte der Pol. Mstr. Pet. Hermes, die Leuchter sind von dem Schmiedemeister Gg. Strieder geschmiedet, das Dach deckte Fa. Karl Heinrich und die Zimmerarbeiten erledigte die Fa. Karl Bäroth. Die Platten für den Fußboden lieferte die Fa. Ant. Rick.

Anläßlich des Allerheiligentages wurde die Totenhalle eingesegnet und ihrer Bestimmung übergeben. In eindrucksvollen Worten schilderte Bürgermeister Brötz die Entstehung dieser Halle. Worte des Dankes richtete er an alle, die am Aufbau und an der Ausgestaltung mitgeholfen hatten. Nach ihm sprach Pfarrer Krauskopf, der die Rede seines Vorredners noch einmal unterstrich. Dann erfolgte die sakrale Weihe der Halle, die durch eindrucksvolle Gesänge des Frickhöfer Kirchenchors unter Stabführung Rektor Heinzmanns begleitet wurde.

FRICKHOFEN, METROPOLE DES KARNEVALS IM NÖRDLICHEN KREISGEBIET

12. 2.: Zum ersten Male in der Geschichte Frickhofens wurden die Geschicke der Gemeinde symbolisch durch Übergabe der "goldenen Gemeindeschlüssel" vom Bürgermeister an den Prinzen Karneval abgetreten. Vor dem Rathaus, inmitten begeisterter Bürger, nahm das Ortsoberhaupt Josef Brötz die Handlung in humorvoller Weise vor. Prinz Alfonso I. (Alfons Noll) verlas auf der großen Treppe die "neuen Narrengesetze" und nahm, von der Löffelgarde flankiert, die ersten "Amtshandlungen" vor. Ministerpräsident Ferdinando, (Ferd. Strieder), organisierte die Fastnacht zu einem, vollen Erfolg. Dem Zusammenwirken, aller Vereine ist es zu verdanken, daß am Fastnachtsonntag ein prunkvoller Festzug von 25 geschmückten Wagen zusammenkam, der mit jeder städtischen Aufmachung konkurrieren konnte. Prinz Alfonso I. konnte für sich in Anspruch nehmen, der 1. Prinz nach dem Kriege zu sein und daß kein Prinz vor ihm ein so zahlreiches, enthusiastisches Volk um sich sah. Es wurden 6.000 Menschen in den Straßen gezählt. Präsident Ferdinando verlieh zum erstenmal den Kochlöffelorden am Band. Blotze Schorsch erhielt für seine Verdienste um die närrische Sache einen "gekreuzten Kochlöffelorden mit "Laab vom Grohbirbam" verliehen. Dieser Orden, der für Frickhofen nicht besser geschaffen werden konnte, wird noch manches Jahr die stolze Brust alter Karnevalisten schmücken.

11. 3.: Die Registrierung der Kriegsgefangenen ergab, daß aus Frickhofen noch 59 Soldaten im Osten (Rußland) vermißt sind, von denen jegliches Lebenszeichen seit Kriegsende fehlt. Darunter befinden sich 22 Neubürger. - Gebe Gott, daß sie alle wieder gesund in die Gemeinschaft ihrer Lieben zurückkehren.