Kultur- und Geschichtsverein
Frickhofen e. V.

Aus der Fülle dieser Artikel möchten wir Ihnen - mit freundlicher Genehmigung des Verlages bzw. der jweiligen Autoren - in diesem Rahmen einige besonders interessante Beispiele zusammenstellen. Zur besseren Orientierung haben wir versucht, die jeweiligen Artikel thematisch zu ordnen.

Artikel von Heribert Heep

Entwicklung der Vereine in Frickhofen

Zur wirtschaftlichen, sozialen und politischen Situation in Frickhofen

Geschichte einzelner Familien und Personen

Zur Geschichte der Juden in Frickhofen

Weitere Themen

Vor 90 Jahren...

Anno 1910

Im Jahre 1910 prahlte das Deutsche Reich unter dem prächtigen Kaiser Wilhelm II. mit großer militärischer Macht und politischer Herrlichkeit. In diesem Jahr feierte man auch in Frickhofen den "Sedanstag" am 1. September 1910 noch pompöser als sonst, denn es war das 40. Jahresjubiläum jenes grandiosen Sieges bei Sedan, als der Kaiser der Franzosen, Napoleon III., gefangen genommen und dann mit ihm "ab nach Kassel!" gefahren worden war. Die Schulkinder bekamen wie immer schulfrei und erhielten nach der Siegesfeier am Kriegerdenkmal jeweils einen Wasserweck.

Dieses Kriegerdenkmal war erst 14 Tage vorher, am 14. August 1910 feierlich eingeweiht worden. Es stand an der Hauptstraße vor dem Haus des Landwirts Joseph Schardt, genannt "Weierkobesse", wahrscheinlich an dem Ort. wo im 18./19. Jahrhundert der Brandweiher für das untere Dorf seinen Platz hatte und den man nach Einrichtung der Wasserleitung in Frickhofen (1902) zuschütten konnte. Das aufwendige Kriegerdenkmal zu dem Krieg 1870/71 war für 1300 Mark vom Kriegerverein errichtet worden, dem ältesten und größten Verein in Frickhofen mit über 75 Mitgliedern und einer ansehnlichen Blaskapelle. Nach der Einweihungsrede brachte Landrat Büchting das "Kaiserhoch" aus. Danach wurde die Nationalhymne "Heil Dir im Siegerkranz!" angestimmt und zum Festplatz marschiert, wo man sich noch ganztäglich belustigte. Vorsitzender des Kriegervereins im Jahre 1910 war der damalige Junglehrer Alfons Heinzmann.

Lebensmittelkarten

Dieser tüchtige Schulmeister war es auch, der im September 1910 den Frickhöfer "Verkehrs- und Verschönerungsverein" ins Leben gerufen hatte. Der aus Niederzeuzheim stammende Lehrer war nicht nur lange Zeit (bis 1934) der erste Vorsitzende, sondern auch die agile Seele des rührigen Vereins. Als eine der ersten Aktion wurde die Mariengrotte am Blasiusberg aufgebaut. Schulkinder sammelten die Kieselsteine für die Ummantelung. Vereinsmitglieder trugen zum Aufbau bei.

Schließlich wurde im Jahre 1910 der Turnverein "Jahn" Frickhofen gegründet. Auch diese Gründung war von der militärischen Herrlichkeit jener Zeit nicht unberührt. Der erste Vorturner Wilhelm Stahl, genannt "Kopperschmidt", hatte die turnerische Ertüchtigung beim Militär gelernt und das Turnen selbst wurde von oben als die Vorübung zur allgemeinen Disziplinierung des Volkes angesehen.

Trotz der straffen obrigkeitlichen Führung des Volkes - vielleicht aber gerade auch deswegen - kam es auch in Frickhofen zu unschönen Racheakten unzufriedener Einwohner des Ortes, wie das Bürgermeisterbuch vom Jahre 1910 berichtet. Des öfteren wurden die Felder der Gemeindebeamten und der Gemeindevertretung von Einwohnern beschädigt, wenn diese in Ausübung ihrer Pflicht diesem oder jenem zu nahe traten. Am 10. Febr. 1910 hatte man deshalb den Beschluss gefasst, in allen Fällen, in denen die Feldfrevler unerkannt blieben, die Beamten und Mitglieder der Gemeindevertretung aus der Gemeindekasse zu entschädigen.

Gegen Ende das Jahres 1910 wurde noch ein großes Feuerwerk gezündet. Fünfjährige Kinder hatte in der Scheune des Juden Samuel Heilbronn, genannt "Saamels". ge- zündelt und damit gleich vier nah anein-andergebaute Scheunen zum Eingang der Hinterstraße/Scherbelgaß mitentflammt: Das Wohnhaus und die Scheune der Familie Reichwein (Jesche), die Scheune der Familie Gröschen (Kathinkas). die Scheune der Familie Giesendorf (Lisbette) und die Scheune des Juden Heilbronn standen in wenigen Minuten in hellen Flammen. Trotz des Eingreifens der Feuerwehren aus den umliegenden Dörfern brannten die Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Wie durch ein Wunder blieb das Wohnhaus Gröschen und das Haus des Metzgers Heep (Metzgerschorsch) vom Feuer verschont.

Hubert Hecker